24.07. 2013

Archäologen entdecken die ältesten chinesischen Inschriften in Shanghai

Archäologen entdeckten vor kurzem Inschriften in Shanghai, die 1400 Jahre älter sind als die ältesten bekannten chinesischen Schriftzeichen.

Die Inschriften wurden auf über 200 Artefakten in der Jungsteinzeit-Ausgrabungsstätte in Liangzhu entdeckt. Der leitende Archäologe Xu Xinmin erklärte, dass die Artefakte auf Tausenden Keramik-, Stein-, Jade-, Holz-, Elfenbein- und Knochenfragmenten zwischen 2003 und 2006 ausgegraben wurden.

Die Beschriftungen bestehen aus Zeichenketten und sind mit einem Datum von vor 5000 Jahren versehen. Archäologen deuteten an, dass eine Reihe dieser Beschriftungen auf einer Steinaxt in der Nähe der Ausgrabungsstätte in Zhuangqiao gefunden wurden und eine neu entdeckte Form der primitiven Schrift enthält.

Allerdings sind sich chinesische Gelehrte nicht einig, ob diese neuen Entdeckungen Wörter oder Zeichen sind. Sie sind sich jedoch sicher, dass die Funde Ihnen helfen werden, die Ursprünge der chinesischen Sprache und Kultur besser zu verstehen.

Es wird angenommen, dass die ältesten Schriftzüge der Welt in Mesopotamien (heute Irak) entstanden. Der alte Orient ist ein fruchtbares Gebiet, das weitgehend als die Wiege der westlichen Zivilisation angesehen wird. Allerdings haben sich chinesische Schriftzeichen vermutlich unabhängig davon entwickelt. Die älteste chinesische Schrift wurde auf Tierknochen (auch bekannt als Orakelknochen) in der Shang-Dynastie aus dem 16. Jahrhundert vor Christus gefunden.

Einige chinesische Wissenschaftler der Archäologie und der alten Schrift trafen sich vergangenes Wochenende in der Provinz Zhejiang und diskutierten über den Fund, da die Inschriften kein entwickeltes Schriftsystem aufweisen. Allerdings sagte Xu Xinmin, dass besonders die Zeichen auf einer Steinaxt mehr als nur Symbole sind.

Eines der Stücke hat sechs wort-ähnliche Formen, die aneinanderreihend einen kurzen Satz bilden.

Xu sagte, dass “diese Symbole anders sind als die, die wir in der Vergangenheit auf Artefakten entdeckt haben. Die Formen und Satzmuster weisen darauf hin, dass die Wörter einen gewissen Sinn haben.”

Die sechs Zeichen sind in einer Linie angeordnet und drei ähneln den modernen chinesischen Schriftzeichen. Jede Form hat zwei bis fünf Striche.

“Wenn fünf bis sechs von ihnen zusammen wie ein Satz aufgereiht sind, sind es keine Symbole mehr, sondern Wörter”, sagte Cao Jinyan, ein Gelehrter der alten Schrift an der Zhejiang Universität. Er ist der Ansicht, dass die Zeichnungen Hieroglyphen sind.

Er gab an, dass diese Zeichnungen eigenständige Formen mit mehreren Strichen haben. “Wenn man sich die Zusammensetzung anschaut, sieht man, dass es mehr als Symbole sind.”

Aber Liu Zhao, ein Archäologe der Fudan Universität in Shanghai ist der Meinung, dass es nicht genügend Material gäbe, um solche Schlussfolgerungen zu ziehen. “Ich glaube nicht, dass diese Zeichnungen strikt nach der Definition von Schrift beurteilt werden sollten. Wir haben nicht genug Material, um diese Zeichnungen in die Geschichte der alten Schrift einzuordnen.”

Chinesische Wissenschaftler haben sich deswegen auf das Folgende geeinigt: Es handelt sich um primitive Schriftzüge. Ein vager Begriff, der jedoch darauf hinweist, dass sich die Funde auf einer Entwicklungsstufe zwischen Symbolen und Wörter befinden.