Chinas Einfluss auf den stetig wachsenden grenzüberschreitenden E-Commerce

Chinas Einfluss auf den stetig wachsenden grenzüberschreitenden E-Commerce


Die Tendenz beim grenzüberschreitenden E-Commerce ist steigend – eine Entwicklung, die größtenteils mit China zu tun hat. Beim britischen Magazin Retail Week geht man davon aus, dass der grenzüberschreitende Online-Handel in den kommenden drei Jahren doppelt so schnell wächst wie der E-Commerce im Inland.

Weltweit könnten sich die Ausgaben beim Online-Shopping im Ausland in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppeln und im Jahr 2021 einen Wert von 424 Mrd. US-Dollar erreichen. In einigen Märkten, insbesondere China und Indien, ist in puncto Online-Einkäufe bei ausländischen Einzelhändlern sogar ein noch schnelleres Wachstum zu verzeichnen.

Chinesische Verbraucher sind immer mehr daran interessiert, ihr Geld über das Internet bei Händlern im Ausland auszugeben.

Auf diese Weise können sie Produkte erstehen, die in ihrer Region nicht immer erhältlich sind und die sie meist für qualitativ höherwertiger oder vertrauenswürdiger halten als Waren chinesischer Einzelhändler. Dank der sich stetig verbessernden Logistik haben Marken die große Chance, von der Bereitschaft der Verbraucher, außerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen einzukaufen, zu profitieren.

Kunden im Ausland erreichen

Der Wunsch, bequem von zu Hause aus im Ausland einzukaufen, wird durch Online-Händler immer mehr bestärkt. Der gigantische chinesische Online-Marktplatz Tmall bietet über seine Plattform Tmall Global (die es seit 2014 gibt) Zugang zu ausländischen Verkäufern,

darunter auch große Handelsunternehmen, wie Marks and Spencer aus Großbritannien, Costco aus den USA und Lotte Mart aus Südkorea. Markenprodukte verkaufen sich in der Regel besser und obwohl ein Großteil der Umsätze aus den etablierten westlichen Märkten stammt, ist in den asiatischen Nachbarländern Chinas, wie in Malaysia, ein kräftiges Wachstum erkennbar.

Da sich die chinesischen Steuer- und Zollvorschriften immer wieder ändern, gilt das Geschäftsumfeld jedoch nach wie vor als unsicher.

Vor Kurzem wurde eine neue Steuer auf Einkäufe aus dem Ausland eingeführt, durch die sich der Preis beliebter Produktkategorien wie Babymilch erhöht hat.

Privatpersonen, die online einkaufen, müssen nun Steuern zahlen, die bis dahin nur für Großhändler galten, und Zollbehörden sind angewiesen worden, Pakete sorgfältiger zu inspizieren, um sicherzustellen, dass die richtigen Tarife gezahlt werden.

Im Vergleich zu vorher zahlt der Verbraucher deshalb nun häufig mehr für Importprodukte.

Besserer Durchblick

Chinesen reisen heute häufiger als jemals zuvor ins Ausland und wissen, dass die im chinesischen Handel angebotenen Produkte meist teurer sind als die, die sie online bestellen oder direkt im Ausland erwerben können.

Der weltweit agierenden Unternehmensberatung Oliver Wyman zufolge sind chinesische Kunden im globalen Vergleich wahrscheinlich am besten informiert und digitalisiert.

Sie suchen souverän nach vertrauenswürdigen Produkten und kaufen mit Überzeugung online bei ausländischen Händlern ein.

Wie in vielen Märkten der Welt führt dies auch in China dazu, dass der stationäre Einzelhandel vom digitalen Handel verdrängt wird.

Die jüngsten Steuerreformen haben zwar die Nachfrage nach einigen Produktkategorien etwas eingedämmt, den grenzüberschreitenden Handel insgesamt aber nicht sonderlich stark beeinträchtigt.

Die Wahrnehmung, dass ausländische Produkte besser sind, ist bei den Chinesen stärker ausgeprägt als Bedenken hinsichtlich des Preises.

Dieses Jahr werden in China vermutlich Waren im Wert von über 110 Mrd. US-Dollar bei ausländischen Einzelhändlern erworben.

Grenzüberschreitender E-Commerce als weltweiter Trend

Doch nicht nur chinesische Konsumenten kaufen immer häufiger im Ausland ein, dieser Trend ist bei Verbrauchern auf der ganzen Welt zu beobachten.

Daten des Marktforschungsunternehmens Forrester zeigen auf, dass 12 % der E-Commerce-Umsätze des Jahres 2015 aus grenzüberschreitenden Bestellungen stammten. Bis 2021 könnte sich dieser Anteil auf 15 % erhöhen.

Die Warenkörbe sind beim grenzüberschreitenden Online-Shopping in der Regel praller gefüllt. Zwar sind diese Verbraucher unter Umständen schwieriger zu bedienen, doch sie geben im Vergleich zu inländischen Käufern meist auch mehr Geld aus.

Im vergangenen Jahr haben Chinesen im grenzüberschreitenden E-Commerce pro Kopf durchschnittlich 473,26 US-Dollar in Produkte aus dem Ausland investiert.

Das US-amerikanische Unternehmen Pitney Bowes deckte 2016 in seiner Studie zum globalen Online-Handel einige überraschende Trends auf, zum Beispiel dass Verbraucher auf Auslandsreisen Geschäfte aufsuchen und nach ihrer Heimkehr online bei diesen Händlern bestellen –

sie reduzieren also aus völlig nachvollziehbaren Gründen die Menge ihres Reisegepäcks. Dieses Verhalten wird zweifellos vom zunehmenden internationalen Tourismus begünstigt. Offenbar praktizieren tatsächlich mehr als 70 % der Käufer aus Hongkong und 65 % der Verbraucher vom chinesischen Festland diese Art des Shoppings.

Auch in Singapur, Australien und Kanada gibt es Konsumenten, die regelmäßig und mit Begeisterung grenzüberschreitend online einkaufen.

Einige dieser Märkte sind empfindlicher gegenüber Preisschwankungen als andere. So variieren die kanadischen grenzüberschreitenden Umsätze normalerweise abhängig vom Umrechnungskurs des Dollars, da meist in den benachbarten USA eingekauft wird. Britische Unternehmen, wie ASOS, bei denen ein Gros der Erlöse durch Verkäufe ins Ausland erwirtschaftet wird, profitieren derzeit vom schwächeren Pfund.

Indien ist im Kommen

Indien zeichnet sich ebenfalls als wichtiger Markt für den grenzüberschreitenden E-Commerce ab. Laut BI Intelligence hat sich das grenzüberschreitende Einkaufsvolumen des Landes im Jahr 2016 wohl sogar um 6,7 % erhöht.

Maßnahmen wie die Einführung des Echtzeit-Zahlungssystems Unified Payments Interface zur Verbesserung digitaler Zahlungen im vergangenen Jahr sind treibende Faktoren für die zunehmende Digitalisierung der indischen Gesellschaft.

Beim Zahlungsdienstleister Worldpay glaubt man deshalb, dass sich Indien bald zum zweitgrößten E-Commerce-Markt der Welt entwickeln wird. In einer gemeinsamen Studie schätzten die Vereinigung der indischen Industrie- und Handelskammern ASSOCHAM und Forrester, dass der indische Online-Handel jährlich um mehr als 50 % zulegt. 2020 wird dieser Markt voraussichtlich viermal so groß und dann 120 Mrd. US-Dollar wert sein.

Marken, die sich diese Tendenzen zunutze machen, dürfen die logistischen Hürden hinsichtlich des Versands der Waren an Käufer in anderen Märkten nicht außer Acht lassen.

Grenzüberschreitende Verkäufe schaffen zwar neue Möglichkeiten, aber es müssen auch zusätzliche Hindernisse überwunden werden, wie höhere Retourkosten.

So kann sich der Einsatz eines Retourenabwicklungsdienstes bezahlt machen, der Rücksendungen aus dem Ausland konsolidieren kann, um die Kosten des Warenrücktransports ins inländische Lager zu verringern.

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