15.05. 2013

Die Top 5 der Fiktionalen Film- und TV-Show-Sprachen

Heute beginnt das Festival de Cannes (Cannes Film Festival) und wir haben uns gedacht, dass es interessant wäre zu recherchieren, welche die 5 besten fiktionalen Sprachen aus Film und TV sind. Dazu haben wir uns auf die syntaktische, phonologische und grammatikalische Komplexität der jeweiligen Sprachen gestützt. Aber zunächst einmal das Wichtigste zum Thema konstruierte Sprachen …

Konstruierte Sprachen sind Sprachen, deren Wortschatz, Grammatik und Phonologie bewusst von einer Einzelperson oder einer Gruppe entwickelt wurden, anstatt sich natürlich zu entwickeln. Natürliche Sprachen werden oft als ein unvollkommenes Medium der Kommunikation gesehen und mit der Idee der funktionalen Perfektion kam die Entwicklung der künstlichen Sprachen. Diese Sprachen sollen Einfachheit, Logik, Präzision, Kreativität, Fülle, und vor allem universellen Anreiz, miteinander verbinden.

Lange bevor Englisch die internationale Sprache der Medien, Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunikation und Bildung geworden ist, waren viele Linguisten davon überzeugt, dass die Welt eine internationale Sprache braucht. Zwischen 1880 und 1907 allein wurde fünfzig Mal eine künstliche Weltsprache vorgeschlagen, aber es konnte sich keine durchsetzen.

Die bekannteste und am meisten gesprochene konstruierte Sprache ist Esperanto, eine internationale Sprache die entwickelt wurde, um weltweiten Frieden zu verwirklichen. Sie wurde von dem gebürtigen Polen L. Zamenhof im Jahre 1887 entwickelt. Vokabular, Syntax, Phonologie und Semantik der Esperanto-Sprache basieren weitgehend auf indoeuropäischen Sprachen, die in Europa gesprochen werden. Das deutet allerdings darauf hin, dass einige Lernanfänger auf Grund des schweren Eurozentrismus ungleich behandelt werden und dies ein möglicher Grund für die konzentrierte Verbreitung auf dem europäischen Kontinent ist.

Fiktionale Sprachen werden mehr und mehr für Fantasy-Literatur, Science-Fiction-Filme und Videospiele entwickelt, denn sie geben den fiktiven Welten einen zusätzlichen Hauch von Realismus. Einige von diesen künstlichen Sprachen sind menschlichen Sprachen sehr ähnlich (z.B. Sindarin, welches vom Finnischen und Walisischen beeinflusst wurde), während andere explizit geschaffen wurden, um außerirdisch zu klingen.

Die Top 5 der fiktionalen Film- und TV-Show-Sprachen

5. Huttese (Huttisch) – Star Wars

  • Gesprochen von: Hutts
  • Erfunden von:  B. Burtt
  • Syntax: relativ freie Wortstellung
  • Phonologie:
    • 3 Vokale, 15 Konsonanten
    • auf Quechua-Sprachen basierend
  • Grammatik:
    • Beugung von Substantiven:
      • Zahl: Singular und Plural
      • Geschlecht: männlich, weiblich
      • Fall: Genitiv
    • Beugung von Verben:
      • Zeitformen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
      • Modus: Indikativ, Imperativ

4. Sindarin – Der Herr der Ringe

  • Gesprochen von: Stämmen der unsterblichen Elben in Mittelerde
  • Erfunden von:  J.R.R. Tolkien
  • Syntax: meistens Subjekt-Verb-Objekt
  • Phonologie:
    • 6 Vokale, 15 Konsonanten
    • ähnelt dem Altenglischen, Altnordischen und Walesischen
  • Grammatik:
    • Beugung von Substantiven:
      • Zahl: Singular und Plural (Plurale werden auf “unvorhersehbare Weise” gebildet)
      • Geschlecht: –
      • Fall: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ + Vokativ
    • Beugung von Verben:
      • Zeitformen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
      • Modus: Indikativ, Imperativ

3. Klingonisch – Star Trek

  • Gesprochen von: den fiktiven Klingonen im Star Trek-Universum
  • Erfunden von:  M. Okrand
  • Syntax: Objekt-Verb-Subjekt
  • Phonologie:
    • 5 Vokale, 21 Konsonanten
    • strikte Silbenstruktur: jede Silbe muss mit einem Konsonant beginnen, gefolgt von einem Vokal
  • Grammatik:
    • Beugung von Substantiven:
      • Zahl: Singular und Plural (verschiedene Suffixe für Plurale)
      • Geschlecht: männlich, weiblich, sächlich
      • Fall: Genitiv
    • Beugung von Verben:
      • Zeitformen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
      • Modus: Indikativ, Imperativ
      • Person und Zahl

2. Hohes Valyrian – Game of Thrones

  • Gesprochen von: Valyrians
  • Erfunden von:  G.R.R. Martin
  • Syntax: flexible Wortstellung
  • Phonologie:
    • 6 Vokale, 19 Konsonanten
    • dem Englischen sehr ähnlich
  • Grammatik:
    • Beugung von Substantiven:
      • Zahl: Singular und Plural +Paukal (kleine Menge) und Kollektiv (Sammelbegriff)
      • Geschlecht: solar, luna, irdisch, aquatisch
      • Fall: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ + Vokativ, Lokativ, Instrumental, Komitativ
    • Beugung von Verben:
      • Zeitformen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
      • Modus: Indikativ, Imperativ

1. Na’vi – Avatar

  • Gesprochen von: humanoiden Ureinwohnern des fiktiven Mondes Pandora
  • Erfunden von:  P. Frommer
  • Syntax: flexible Wortstellung
  • Phonologie:
    • 7 Vokale, 20 Konsonanten
    • keine stimmhaften Plosive ([b], [d], [g])
  • Grammatik:
    • Beugung von Substantiven:
      • Zahl: Singular und Plural +Dual (Zweizahl) und Trial (Dreizahl)
      • Geschlecht: männlich und weiblich
      • Fall: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ + Ergativ und Topikal (transitive und intransitive Objekte werden ebenfalls markiert)
    • Beugung von Verben:
      • Zeitformen: Vergangenheit, jüngere Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, unmittelbare Zukunft
      • Modus: Indikativ, Imperativ

Es gab ein sehr enges Rennen um Platz 1, aber nach unserer Auswertung der syntaktischen, phonologischen und grammatischen Komplexität unserer Top 5, kamen wir zu dem Entschluss, dass Na’vi die ausgeklügelste und hochentwickeltste konstruierte Sprache in der Film- und TV-Serien-Welt ist. Obwohl Hohes Valyrian ein weitentwickeltes nominales Deklinationssystem hat, hat Na’vi zusätzlich spezifische verbale Differenzierungen und zudem mehr Vokale und Konsonanten.

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