11.02. 2016

Konventionen zur Namensgebung rund um die Welt

Das Konzept der Namensgebung ist rund um die Welt sehr unterschiedlich. Das Westeuropäische oder Nordamerikanische Konzept, dass eine Person ihr ganzes Leben lang einen einzigen Vornamen behält, findet sich nicht in der Namensgebung anderer Kulturen wieder.

Wie sich Menschen vorstellen, oder wie sie erwarten, vorgestellt zu werden und die Anzahl der Elemente, aus denen sich der Name zusammensetzt, ist weltweit unterschiedlich. Das hat Auswirkungen darauf, wie ihre Kunden und Kollegen auf der Welt erwarten, angesprochen zu werden.

In der Praxis erschweren solche Namensgebungskonventionen den Personalisierungstrend mit dem Marketing-Kommunikation zu kämpfen hat. Wenn Sie also Formulare für Ihre Kunden zum Ausfüllen erstellen oder diese persönlich in Marketing-Kommunikation ansprechen wollen, sollten Sie auf die vielen unterschiedlichen Namensgebungskonventionen in verschiedenen Regionen und Kulturen der Welt achten.

Praktische Bedeutung des zweiten Vornamen

In manchen Teilen der Welt werden Namen gerne kurz und bündig gehalten.

Im Vereinigten Königreich haben die meisten Menschen nur einen Vor- und Nachnamen. Es kann auch vorkommen, dass sie einen zweiten Vornamen haben, der aber nicht oft benutzt wird. Er dient eher als bürokratische Absicherung, falls der Name zweimal existiert. In anderen Ländern erhalten Kinder bei ihrer Geburt meist mehrere Namen. Dabei können einige genauso wichtig und praktisch für die Charakterisierung des Individuums sein, wie der erste Vorname.

Sowohl in Cost Rica als auch in vielen anderen Ländern ist es üblich, ein und denselben Namen innerhalb einer Familie weiterzugeben – sei es über die Generationen hinweg oder sogar in derselben Generation.

Es ist also gut möglich, dass drei Töchter aus einer costa-ricanischen Familie Maria heißen. Das bedeutet wiederum, dass Relevanz des zweiten Vornamens steigt und im Alltag oft in Verbindung mit dem ersten Vornamen benutzt wird.

Ganz im Gegensatz zum Vereinigten Königreich, wo kaum jemand seinen zweiten Vornamen benutzt. Es ist sogar ungewöhnlich, wenn die Verwandtschaft den Zweitnamen kennt, in Costa Rica hingegen sind gerade diese essentiell, um Familienmitglieder mit demselben Vornamen unterscheiden zu können.

Die Anzahl der Namen

Es ist in vielen Teilen der Welt üblich mehrere Namen zu haben, u. a. in Portugal und Spanien. Dort haben viele Menschen meist zwei Vor- und zwei Nachnamen (den Nachnamen ihrer Mutter und ihres Vaters).

In Teilen Nigerias erhalten Kinder drei Namen. Der erste Name ist ihr eigener, dieser Teil des Namens wird oruko genannt. Der zweite Name, oriki, oder auch der „Ehrenname“, spiegelt die Hoffnungen, die man in das Kind hat, wider. Darunter fallen Namen wie Arik, was „Löwe Gottes“ oder „der allein Herrschende“ bedeutet. Der dritte Name, orile, verbindet das Kind mit seiner Familie und der Gemeinschaft. Im Laufe des Lebens erhalten die Kinder weitere eher informelle Namen von Familie und der Gemeinschaft.

In Bali ist es üblich, Kinder der Reihe nach zu benennen (z. B. Komang für Drittgeborene). Nachnamen werden nicht benötigt; auch nicht für offizielle Dokumente. Das heißt also, dass es eine Menge Menschen mit demselben Namen gibt – ein großes Durcheinander.

In Island liegt das Hauptaugenmerk auch eher auf den Vornamen. Isländische Namen sind eine Kombination aus den Vornamen der Eltern (meist des Vaters) und einem angehängten –sson, falls männlich und – sdóttir für Frauen.

Ein Mann namens Björn Jónsson nennt seinen Sohn Hafthór Björnsson, dieser wird aber mit seinem Vornamen angesprochen, sowohl offiziell als auch privat. Die Telefonverzeichnis in Island ist nach Vornamen geordnet und verwendet die Nennung des jeweiligen Berufs, um Menschen gleichen Namens besser unterscheiden zu können..

Nachnamen

In Argentinien und Spanien ist es üblich, dass Frauen den Nachnamen ihres Mannes annehmen und die Präposition „de“ anhängen, was mit „von“ übersetzt wird. Das heißt, dass Ana Karina Blanco zu Ana Karina Blango de Romero wird, wenn sie jemanden heiratet, der Juan Marcos Romero heißt. Die jüngere Generation steht dieser Benennungstradition entgegen, ältere Frauen hingegen benutzen diese Art der Namensgebung weiterhin.

Spanische Muttersprachler, die zwei Nachnamen haben, erwarten mit dem ersten Nachnamen angesprochen zu werden. Offiziell wird zum Beispiel Maria Valeria Perez Martin mit Señorita Perez und nicht Señorita Martin angesprochen.

Unerwartete Namensgebung

Die wohl für die westliche Bevölkerung am schwersten zu akzeptierende Namenskonvention ist, dass ein Vorname nicht unbedingt notwendig ist.

In einem Land, in dem Bürokratie tief verwurzelt ist, werden Namen in der Regel ein Leben lang behalten, was den Prozess der Namensänderung deutlich erschwert, da dies offizielle Maßnahmen erfordert. In anderen Teilen der Welt erhalten Menschen in bestimmten Lebensphasen, wie zum Beispiel bei Erreichen des Erwachsenenalters, einen anderen Namen. Da in einigen Ländern nicht allzu viel Papierwirtschaft für eine Namensänderung benötigt wird, ändern Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen ihren Vornamen.

In China ist es üblich, dass Menschen in der Universität oder bei der Hochzeit einen westlicheren Namen annehmen. Meist aus Karrieregründen.

Die Namensgebung entspricht nicht immer westlichen Vorstellungen. Chinesische Namen sind in diesem Sinne besonders irreführend für Leute aus dem Westen, wenn es um die Reihenfolge der Namensgebung geht. Wen Jiabaos Familienname lautet Wen, sein Vorname Jiabao. Offiziell würde man ihn mit „Wen Jiabao xiān sheng“ ansprechen, was „Herr Wen Jiabao“ entspricht.

Einige ältere Chinesen haben Generationsnamen, einen Zweitnamen, den auch alle Geschwister in dieser Familie haben. Die vielen Jahre der Ein-Kind-Politik haben dazu geführt, dass dieser Brauch eher unüblich ist. Andere asiatische Länder folgen der gleichen Tradition der Namensreihenfolge, sodass zuerst der Familienname, und dann der Vorname genannt wird. Das geht konform mit der Schreibweise von rechts nach links.

Thailand hat seine eigenen Besonderheiten bei der Namensgebung von Kindern. Aufgrund einer alten Überzeugung, dass Geister durch den Gebrauch des „echten“ Vornamens Kinder entführen oder ihnen auf irgendeine Weise schaden, bekommen thailändische Kinder oft einen Spitznamen, der wesentlich häufiger benutzt wird, als der „echte“ Vorname. Thailändische Freunde können einander also jahrelang kennen, ohne dass ihnen der offizielle Vornamen des anderen bekannt ist. Der Spitzname ist dabei meist eine Silbe lang und nicht immer sehr würdevoll. „Aod“ zum Beispiel, was Kaulquappe bedeutet, ist ein üblicher Spitzname.

In das Webdesign einbeziehen

Obwohl oft dazu geraten wird, jede Website zu lokalisieren und der jeweiligen Kultur zuzuordnen, wird Ihr Formular meist von einem internationalen Publikum genutzt, da Menschen viel herumreisen, dabei jedoch ihre Namenskonventionen beibehalten.

Der Schlüssel zum Erfolg lautet hierbei Flexibilität. Zum Beispiel: Müssen Besucher Ihrer Website immer zwingend zwei Namen angeben? Sie müssen dies nicht unbedingt auf zwei begrenzen.

Einige Namen sind möglicherweise sehr lang, denken Sie also an die Zeichenbeschränkung.

Es ist außerdem ratsam, Usern zu ermöglichen, akzentuierte Zeichen hinzuzufügen und ihre Angaben mit der richtigen Zeichen-Kodierungsmethode zu speichern.

Denken Sie also daran, dass, obwohl Sie Namen einem bestimmen Stil zuordnen, dieser Stil nicht unbedingt weltweit üblich ist. Einige User erwarten zum Beispiel, mit ihrer Berufsbezeichnung angesprochen zu werden. Amerikanische User ergänzen oft den ersten Buchstaben ihres Zweinamens; anderswo ist es üblich, den Zweitnamen komplett oder gar nicht anzugeben.