7.06. 2013

Multilingualer E-Commerce ist der Schlüssel zur Zukunft des deutschen Einzelhandels

E-Commerce hat sich als ein wichtiger Bestandteil in unserem Leben etabliert. Aber was genau ist E-Commerce? Einfach übersetzt bedeutet es “elektronischer Handel” und bezieht sich auf die wirtschaftliche Nutzung von digitalen Netzwerken, d.h. der Verkauf von Dienstleistungen und Waren mittels elektronischer Medien.

Wenn erfolgreiche Unternehmen wachsen, wird oft eine Verringerung der lokalen Nachfrage festgestellt, weil die traditionellen Märkte gesättigt sind. Also ist es ein logischer Schritt, dass diese Unternehmen sich nach neuen Märkten umschauen und neue Möglichkeiten und Wachstumschancen in neuen Gebieten ausfindig machen. Da unsere Welt zunehmend digitaler und vernetzter wird, verwischen die geografischen Grenzen zwischen den einzelnen Staaten immer mehr. Das bedeutet, dass aufgrund der ständigen Ausbreitung des Internets, der zunehmend globalisierten Welt und dem sehr wettbewerbsintensiven Einzelhandelsmarkt im eigenen Land, immer mehr deutsche Unternehmen ins Ausland expandieren.

Viele deutsche Online-Unternehmen sind somit auf die weltweite Nachfrage angewiesen, um Gewinne und Rentabilität zu erhöhen. Hinzu kommt, dass die zunehmende Nutzung von internetfähigen Smartphones und Tablet-Computern das Online-Shopping ständig einfacher gestaltet. Im Jahr 2011 waren fast 80 % der deutschen Bevölkerung online (Quelle: www.internetworldstats.com).

Es sind bereits 21% der deutschen Online-Händler im Ausland aktiv und weitere 36 % wollen innerhalb der nächsten zwei Jahre ins Ausland expandieren. Laut dem British Centre for Retail Research hat Deutschland im Jahr 2011 durch den Online-Verkauf € 45.07 Mrd. eingenommen; 9 % davon waren im Einzelhandel. Diese Entwicklung wirkt sich schon seit einiger Zeit auf die großen deutschen Online-Händler aus. So ist der Versandhandel Otto durch organisches Wachstum und Zukäufe in Russland zum Marktführer im Distanzhandel aufgestiegen. Otto ist der größte Einzelhändler im E-Commerce-Business in Russland und hatte generell den am schnellsten wachsenden E-Commerce-Umsatz in 2011: der Online-Umsatz erhöhte sich um 24,4 % und der Katalog- und Ladenumsatz erhöhte sich um 7,4 %.

Der Otto-Geschäftsführer Hans-Otto Schrader gab an, dass “E-Commerce der wichtigste Vertriebskanal der Otto-Gruppe geworden ist. Wir haben in einem frühen Stadium mit dem Online-Verkauf begonnen und profitieren nun in allen Geschäftsfeldern von der starken Expansion des E-Commerces.” (Quelle: Internetretailer.com).

Zalando, der deutsche Online-Versandhändler für Schuhe und Mode, ist ebenfalls international sehr erfolgreich, z.B. in den Niederlanden, Frankreich, in bestimmten Gebieten in Großbritannien, Spanien, Portugal, Italien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Belgien, Polen, Tschechien, Rumänien, der Slowakei und der Schweiz (Quelle: Gründerszene)

Dies ist die TOP 10 der umsatzstärksten deutschen Online-Shops im Jahr 2010 (Quelle: www.ibusiness.de):

 

 

Doch es sieht nicht für alle so gut aus: einige deutsche Einzelhändler litten so stark an der sinkenden Nachfrage (ein Teil der Erfolglosigkeit war, dass sie sich nicht an das digitale Zeitalter angepasst haben), dass sie Insolvenz anmelden mussten, z.B. Schlecker und Neckermann.

Das verdeutlicht, dass deutsche Unternehmen verstärkt die Wichtigkeit der internationalen Märkte berücksichtigen müssen, wenn sie ihre E-Commerce-Strategien formulieren. Da die heimischen Märkte oft stagnieren und die Nachfrage des Auslandes kontinuierlich steigt, ist eine einsprachige Webseite schon lange keine Option mehr.

Jedoch ist die Verwaltung eines erfolgreichen multilingualen E-Commerce-Shops komplex und ressourcenintensiv. Viele verschiedene Faktoren beeinflussen den Erfolg in einem anderen Land oder einer anderen Sprache. Wir können leider nicht alle Herausforderungen auflisten, die Unternehmen haben, wenn sie ins Ausland expandieren wollen, aber wir haben hier die sechs wichtigsten Faktoren aufgelistet:

1. Definieren Sie klare Ziele

Viele Unternehmen haben ins Ausland expandiert. Nur weil einige von diesen Firmen es “geschafft haben”, heißt dies noch lange nicht, dass auch Ihr Unternehmen automatisch erfolgreich sein wird.

In erster Linie müssen Sie sicherstellen, dass Sie ein verlockendes unternehmerisches Argument haben, um sich in anderen Ländern etablieren zu können. Wenn Ihr Unternehmen in Ihren lokalen Märkten nicht erfolgreich ist, wird es umso schwerer sein, sich international zu etablieren.

2. Informieren Sie sich umfassend

Nachdem Sie klare Ziele festgelegt haben, informieren Sie sich umfassend über die geografische, wirtschaftliche, politische, rechtliche, technische, soziale und kulturelle Situation in dem gewünschten Zielland.

Wenn Sie nicht in der Lage sind, den Zugang zu den benötigten Daten zu bekommen, um genügend Informationen zu sammeln, kontaktieren Sie ein Team von lokalen Marktexperten, bevor Sie weitere Schritte einleiten.

3. Lokalisieren Sie Ihre Webinhalte

Es mag selbstverständlich klingen, aber die Bedeutung der Lokalisierung Ihrer Webseite darf nicht unterschätzt werden. Eine Lokalisierung ist die sprachliche Anpassung und Übersetzung Ihrer Webseite. Inhalte Ihrer Webseite werden nicht nur eins-zu-eins übersetzt, sondern an die lokalen Mark adaptiert. Studien beweisen, dass eine lokalisierte Version einer E-Commerce-Webseite den Umsatz der Webseite um durchschnittlich 70% erhöht. Wenn Kunden den Text Ihrer Webseite nicht verstehen können, werden sie Ihnen nicht das Vertrauen schenken, Produkte bei Ihnen online zu kaufen.

4. Geben Sie Preise in der lokalen Währung an

Neben der Zielsprache ist die Preisangabe in der lokalen Währung von großer Bedeutung. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage der globalen Online-Shopper von Penton Research verdeutlichte, dass E-Commerce-Händler beim Verkauf im Ausland nicht so viel Umsatz machen, wenn ihre Produkte nicht in der lokalen Währung aufgeführt sind.

Dazu wurden 30.000 Online-Shopper in Deutschland, Großbritannien, Kanada und Australien über ihre Einkaufsgewohnheiten auf E-Commerce-Webseiten befragt. Die Mehrheit der befragten Käufer gab an, dass es ein negatives Licht auf Unternehmen werfe, wenn ihre Produkte nur in US-Dollar angezeigt werden. Das deutet darauf hin, dass Online-Händler wohlmöglich viele Kunden und Einnahmen verlieren, wenn sich ihre Webseite auf nur eine Währung beschränkt.

5. Ermöglichen Sie internationalen Versand

Laut einer Recherche von Akamai waren Versand-und Bearbeitungskosten zu 38% dafür verantwortlich, dass sich Online-Shopper nicht auf eine Transaktion eines E-Commerce-Shops eingelassen haben. Wenn ein Kunde im Ausland wohnt oder arbeitet, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieser Ihre Waren an die jeweilige Auslandsadresse geliefert haben will. Wenn Sie keinen internationalen Versand auf Ihrer E-Commerce-Webseite ermöglichen, verlieren Sie internationale Kunden und begrenzen Ihr Potenzial für ein globales Wachstum.

6. Unterschätzen Sie nicht den Einfluss der Kultur

Die Kultur eines anderen Landes kann sich extrem von der eigenen unterscheiden. Es ist wichtig, dass Sie angemessen auf unterschiedliche Bräuche und Traditionen reagieren, wenn Sie Geschäfte in unbekannten Gebieten machen wollen. Beispielsweise gibt es gravierende Unterschiede zwischen der deutschen und chinesischen Kultur. In China ist es unwahrscheinlich wichtig, zunächst eine Art Freundschaft zwischen den Geschäftspartnern zu erstellen, denn Chinesen machen nur Geschäfte mit Leuten, die sie kennen und denen sie vertrauen. Wenn es zu Verhandlungen kommt, neigen die Chinesen dazu, zu feilschen und glauben, dass es immer einen großen Spielraum für Verhandlungen gibt, egal um welches Geschäft es sich handelt.

Auch die Art und Weise der Kommunikation unterscheidet sich. Chinesen sind in geschäftlichen Situationen in der Regel ruhig und zurückhaltend, während Deutsche eloquent und offen sind.

Um Ihnen zu helfen, sich über globale Möglichkeiten zu informieren, haben wir ein paar Daten von Wikipedia, InternetWorldStats und dem Office of National Statistics zusammengefasst und eine interaktive Karte erstellt. Mit dieser Karte können Sie die Bevölkerung, das jährliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und die Internetversorgung/-verbreitung von den Ländern herausfiltern, die ein potenzielles Ziel für Ihre Expansionspläne darstellen. Wenn Sie diese Regionen identifiziert haben, können Sie auf die Karte klicken, um Informationen über die Sprache, Währung und dominante Religionen des jeweiligen Landes ausfindig zu machen.

Wir hoffen, dass Sie diese Karte nützlich finden werden. Wenn Sie irgendwelche Verbesserungsvorschläge haben, hinterlassen Sie bitte unten einen Kommentar. Viel Glück!