27.07. 2013

Sind Fan-Übersetzungen gut oder schlecht?

Fan-Übersetzungen beziehen sich im Allgemeinen auf inoffizielle Übersetzungen von Medien, vor allem Computerspiele, Filme, Bücher und Musik, die von einer Sprache in eine andere vorgenommen werden. Diese Art von Übersetzungen werden kostenlos von Fans verbreitet.

Fan-Übersetzungen wurden in den späten 1990er Jahren durch die Zunahme von Spielkonsolen-Emulatoren beliebt. Viele japanische Videospiele wurden nie außerhalb von Japan veröffentlicht oder gar übersetzt und aus diesem Grund sahen sich Fans der Spiele gezwungen, diese für Gleichgesinnte zu übersetzen.

So wurde beispielsweise Final Fantasy V, welches als erstes nur in Japan auf Nintendos Super Famicom (international bekannt als das Super Nintendo Entertainment System) veröffentlicht wurde, von einer Gruppe namens RPGe übersetzt. Diese Gruppe gilt gemeinhin als erste große Fan-Übersetzungs-Gruppe.

Für Filme und Comics haben sich die Fan-Übersetzer im Englischen sogar neue Wörter einfallen lassen: “Fansubbing” und “Scanlation”.

“Fansubbing” ist die Kunst des Übersetzens und der Untertitelung von Filmen, Fernsehprogrammen und anderen Audio- und visuellen Medien.

“Scanlation” ist die Kunst Comics zu scannen, zu übersetzen und zu bearbeiten. “Scanlations” wurden durch die fehlenden Übersetzungen der japanischen Mangas populär. Manga-Fans arbeiteten zusammen und teilten ihre Übersetzungs-Bemühungen, da das Importieren von Manga-Comics direkt aus Japan oft zu teuer war und ein gewisses Grundwissen der japanischen Sprache vorhanden sein musste, um den Inhalt der Originale zu verstehen.

“Fansubbing” und “Scanlation” sind in den meisten Ländern illegal, da derzeit 165 Länder die Berne Convention unterzeichnet haben, ein internationales Abkommen für Urheberrechte. Auf Grund dessen sind “Fansubbing” und “Scanlation” Urheberrechtsverletzungen. Bemerkenswerte Ausnahmen sind der Iran, Irak, Afghanistan und Somalia.

Die Rechteinhaber haben vor kurzem damit begonnen, Unterlassungsanordnungen an die Macher von Fan-Übersetzungen zu versenden – sie drohen mit gerichtlichem Vorgehen, wenn sie diesen nicht nachkommen und in manchen Fällen sogar mit Verhaftungen.

Im August 2007 berichtete die BBC, dass ein französischer Teenager, welcher verdächtigt wurde, seine eigene vollständige Übersetzung des Harry-Potter-Buches Deathly Hallows im Internet veröffentlicht zu haben, unter dem Vorwurf der Urheberrechtsverletzung verhaftet wurde.

Die Veröffentlichung der offiziellen französischen Version des letzten Buches der Harry Potter Reihe war für Oktober 2007 geplant. Allerdings gelang es dem 17-jährigen seine übersetzte Version des Buches im Internet zu verbreiten, während der offizielle Harry-Potter-Übersetzer, Jean-Francois Menard, noch immer an seiner Übersetzung arbeitete.

Dies führte eventuell zu der Entscheidung von Rowling’s Literatur-Agentur, die Blair Partnership, Kopien ihres ersten Buches, welches sie nach der Harry-Potter-Reihe veröffentlichte, A Casual Vacancy, nicht an ausländische Verläge im Juni 2012 zu verkaufen.

Die BBC berichtete im Juli 2013, dass Server und Computer des schwedischen Unternehmens Undertexter (schwedisch: Untertitel) von der schwedischen Polizei beschlagnahmt wurden. In einem Statement auf Facebook erklärte ein Vertreter der Undertexter, dass ihre Dienstleistungen von Fan-Übersetzungen komplett kostenlos zur Verfügung stehen. Benutzer dieser Webseite gaben ihre eigenen Textübersetzungen von ihren Lieblingsfilmen und -shows frei, teilten aber nicht die Filme an sich.

Jedoch teilte der schwedische Polizeichef der Abteilung des geistigen Eigentums, Paul Pinter, mit: “Unsere Urheberrechte erlauben es nicht, Abschriften eines Filmes, der urheberrechtlich geschützt ist, zu machen, wenn keine ausdrückliche Erlaubnis des Rechtsinhabers vorliegt und schon gar nicht, diese publikzumachen.”

Er gab an, dass potenzielle Strafen von Geldstrafen bis zu zwei Jahren Gefängnis verhangen werden.

Es ist nachvollziehbar, warum die Rechteinhaber beunruhigt sind. Eine Studie der Institute for Policy Innovation in Lewisville, Texas, stellte fest, dass Film-Piraterie der US-Wirtschaft jährlich $20.5 Mrd. kosten. Eine andere Studie, welche von L.E.K. Consulting durchgeführte wurde und auf über 20.000 Befragungen von Kunden in 22 Ländern basiert, offenbarte, dass Piraterie Filmstudios über $6 Mrd. im Jahr kostet.

Allerdings sehen sich Fan-Übersetzer nicht als Piraten an und halten sich traditionell an einem gemeinsamen Ehrenkodex fest. Sie berechnen nur genug, um ihre Kosten abzudecken und viele Fan-Übersetzungen enthalten einen Untertiteltext, welcher besagt “kostenlose Fan-Übersetzung: nicht zum Verkauf geeignet”, um Schwarzhändler davon abzuhalten, ihre übersetzten Versionen illegal zu verkaufen.

Ein Fan-Übersetzungs-Anbieter erklärte: “Genauso wie Fan-Übersetzungen, ist auch meine Seite gemeinnützig. Wenn möglich, habe ich keine Werbebanner auf meiner Webseite. In der Tat haben einige Mirror-Seiten auch keine Ads.” Die meisten Fan-Übersetzer vermeiden es auch, die Titel anzugeben, wenn diese bereits in ihrem Land zum Vertrieb zugelassen sind.

“Wir tun ihnen einen Gefallen”, sagt AnimeSuki. “Fan-Übersetzer schaffen eine Fangemeinde, die wiederum Nachfrage schafft, was heißt, dass es wahrscheinlicher ist, dass ein amerikanisches Anime-Unternehmen es lizenzieren will”.

Befürworter der Fan-Übersetzungen haben darauf hingewiesen, dass der japanische Anime Sailor Moon nur durch diese Übersetzungen überhaupt ein riesen Erfolg wurde. Wenn der Titel nicht fan-übersetzt gewesen worden wäre, wäre die Serie wahrscheinlich nie in Nordamerika veröffentlicht wurden und hätte wesentlich weniger Geld gemacht.

Was denken Sie? Sind Fan-Übersetzungen gut für die Wirtschaft und die Verbraucher? Oder sind es Formen der Piraterie, welche letztlich zur Zerstörung unser Kreativwirtschaft führt und als Ergebnis schlecht für uns alle sind, einschließlich der File Sharer?