So können sich Produktentwicklungsteams fortlaufende Lokalisierung zunutze machen

So können sich Produktentwicklungsteams fortlaufende Lokalisierung zunutze machen


Vor ein paar Monaten haben wir bereits angesprochen, wie agile Ansätze die Entwicklung zunehmend bereichern, um programmierte Produkte mittels des Scrum-Vorgehensmodells schneller auf den Markt zu bringen. In einer zunehmend enger vernetzten digitalen Welt, in der Software pausenlos weiterentwickelt wird – selbst wenn gerade eine neue Version herausgebracht wurde – wird die Forderung nach dem sofortigen Zugang zur neuesten Software in der eigenen Sprache immer lauter.

Früher folgte der Lokalisierungsprozess für Entwicklungsteams dem klassischen Wasserfallmodell: Produkte wurden turnusmäßig kodiert, gebündelt und dann schubweise an die Übersetzer weitergeleitet.

Bei Produktaktualisierungen mussten die Programmierer innehalten, während die Inhalte in mehreren Paketen an eine Übersetzungsagentur geschickt und dort bearbeitet wurden. Die lokalisierten Inhalte wurden anschließend im System hochgeladen und veröffentlicht.

Entwickler mussten oft tage- oder wochenlang auf die Übersetzungen warten. Manchmal sorgten billige und weniger gute Übersetzungen auch für Qualitätsprobleme und weitere Verzögerungen. Manchmal wurden auch Produkte international eingeführt, die unübersetzte Passagen (meist auf Englisch) enthielten. Dem Endnutzer wurde so ein unprofessionelles Bild vermittelt und Nutzer mussten veraltete Produkte in einer Sprache nutzen, die sie mitunter nicht verstanden.

Ein neuer Ansatz

Unternehmen bemängeln die Probleme des derzeitigen Ansatzes zunehmend und wenden sich der fortlaufenden Lokalisierung zu. So können Nutzer in unterschiedlichen Regionen in ihrer jeweiligen Sprache zur selben Zeit auf dieselbe Software zugreifen.

Fortlaufende Lokalisierung in der Entwicklung kann mit den agilen Entwicklungsprozessen Schritt halten. Mobile Apps, die stets aktualisiert werden müssen, um funktionsfähig zu bleiben, nutzen fortlaufende Lokalisierung. Anstatt umfangreiche Pakete in großen Abständen zu übersetzen, werden kleinere Pakete gebündelt, häufiger lokalisiert und mit agilen Entwicklungssprints kombiniert.

Die fortlaufende Lokalisierung ist grundsätzlich einfacher, schneller und effizienter und kann mit Formaten umgehen, die die meisten Entwickler nutzen.

Die kontinuierliche Umsetzung nimmt zudem mögliche Hürden einer zeitnahen Einführung, die im klassischen Lokalisierungsprozess aufkommen. Umfangreiche Pakete ziehen dort langwierige Lektorate und Korrekturen der Qualitätskontrolle nach sich. Der wesentliche Vorteil des rationalisierten Übersetzungsablaufs besteht darin, dass sich Entwicklungsteams aufs Programmieren konzentrieren können, ohne dabei innehalten zu müssen.

Der Schlüssel zum Erfolg

Lokalisierte Produktversionen werden immer kurz nach der Originalfassung veröffentlicht und es ist nicht ungewöhnlich, dass Codes unübersetzt in den lokalisierten Versionen erscheinen. Um ein erfolgreiches System zu entwickeln, müssen Reibungspunkte so weit wie möglich reduziert und eine möglichst einheitliche Datenübertragung eingeführt werden.

Entwickler können eine automatische Lokalisierungsplattform in den agilen Entwicklungsprozess integrieren und so individuelle Arbeitsflüsse für jedes Projekt erstellen, Inhaltsfolgen direkt an Übersetzer weiterleiten sowie die Übersetzung bei Erhalt wieder ins Produkt einpflegen. Dadurch werden kürzere Durchlaufzeiten erreicht, Geld gespart und qualitativ hochwertigere Übersetzungen angefertigt.

Wichtig ist hierbei jedoch, dass Entwickler mit Fremdsprachenteams zusammenarbeiten, die verstehen, dass lokalisierte Inhalte auch in diesem robusten, optimierten Ablauf schnell bearbeitet werden müssen. Diese Aufgabe kann ein internes Übersetzerteam übernehmen, aber auch ein namhafter Sprachdienstleister, der sich mit der Lokalisierung von Anwendungen auskennt.

Verzögerungen können hierbei zur verspäteten Einführung von Produkt-Updates auf dem Zielmarkt führen. Deshalb empfiehlt sich für Entwicklungsteams, bei unternehmenskritischen Systemen mit einem externen Sprachdienstleister zusammenzuarbeiten.

Beziehungen im Griff

Zeitliche Beschränkungen stellen häufig Probleme für agile Entwickler dar. Damit Projekte fristgerecht und fehlerfrei umgesetzt werden können, beauftragen Technologieunternehmen meist speziell geschulte interne Projektleiter und -prüfer mit der Überwachung des Lokalisierungsablaufs, damit sich die Entwicklungsteams auf den Aufbau des Projekts konzentrieren können.

Zu den Aufgaben gehört auch die Kontrolle der reibungslosen Funktionsweise der integrierten automatischen Lokalisierungsplattform, damit Übersetzer und Lektoren die Aufträge zeitnah erhalten und diese ebenso wieder in das Produkt eingefügt werden.

Proaktive Leiter von Lokalisierungsprojekten sollten zudem Wert darauf legen, verwandte Teams innerhalb des Unternehmens zu schulen, damit sich diese dem komplexen Aufbau fortlaufender Integrationen bewusst sind. Dies ist insbesondere für Entwicklungsteams wichtig, die in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Lokalisierungsfachleuten gemacht haben.

Entwicklungsteams, die mit externen Sprachdienstleistern zusammenarbeiten, können auch Sprachexperten einladen, bei ihnen im Betrieb an Aufträgen zu arbeiten, für die spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten erforderlich sind. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Übersetzer in beide Sprachrichtungen arbeiten. Bei Arabisch fällt zum Beispiel auf, dass Tools, die nur statische Codes als Ausgangscode auswerten, die Qualität nur schwer bewerten können. Effektiver wäre hierbei, den Code von einem erfahrenen Übersetzer, der in beiden Sprachrichtungen versiert ist, bewerten zu lassen.

Damit die fortlaufende Lokalisierung klappt, bedarf es flexibler Arbeitsflüsse. Gary Lefman, Internationalisation Architect bei Cisco Systems, erklärt, dass es keine festen Regeln dafür gibt, wie der Ablauf funktionieren muss, und dass die Arbeitsflüsse des kalifornischen Technologie-Großunternehmens dem Arbeitsstil des jeweiligen Entwicklungsteams angepasst werden.

Unternehmen, die neu im fortlaufenden Lokalisierungsgeschäft sind, sollten deshalb ihren Entwicklungsteams Zeit geben, einen effektiven Arbeitsfluss umzusetzen, um dabei festzulegen, wann Inhaltsfolgen an die Sprachmittler weitergeleitet und wann Produkte eingeführt werden sollten. Experten zufolge sind die Ergebnisse in der Regel besser, je mehr Zeit in die Bestimmung des passenden Arbeitsflusses für das jeweilige Entwicklungsteam gesteckt wird.

Fortlaufende Lokalisierung bedeutet zwar höhere Lokalisierungskosten, doch eine effektive kontinuierliche Umsetzungsstrategie ermöglicht Entwicklern unweigerlich eine schnellere Markteinführung ihrer Produkte und Nutzer können die aktuellsten Inhalte sofort in ihrer Muttersprache nutzen. Somit profitieren Entwicklungsteams und Endnutzer gleichermaßen davon.

Mobile Apps und Großunternehmen wie Cisco und Evernote führen die Umstellung zur fortlaufenden Lokalisierung an. Somit gilt es als sicher, dass dieser Ansatz die agilen Entwicklungsprozesse der Zukunft bestimmen wird.

Unseren Newsletter abonnieren