Warum Verbraucher in kleineren Ländern gerne online im Ausland einkaufen

Warum Verbraucher in kleineren Ländern gerne online im Ausland einkaufen


Der grenzüberschreitende E-Commerce boomt und aktuelle Studien zeigen, dass gerade einige der gesünderen, kleineren Wirtschaftsnationen besonders begeistert mitziehen. Laut einer Studie von PayPal stammen Verbraucher, die in letzter Zeit etwas von ausländischen Online-Händlern erstanden haben, sehr wahrscheinlich aus kleinen, aber relativ wohlhabenden Ländern

wie Belgien, Israel, Österreich und Irland. Auch bei den Einwohnern von Singapur und Hongkong ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie in den letzten zwölf Monaten etwas im Ausland gekauft haben.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Menschen in diesen Märkten verfügen über ein relativ hohes Haushaltseinkommen und es existiert bereits ein gut etablierter Konsumgütermarkt. Sie sind erfahren und wissen, welche Produkte es gibt, sind aber eventuell nicht in der Lage, diese auf ihrem vergleichsweise kleinen einheimischen Markt ausfindig zu machen.

Tatsächlich nannte rund die Hälfte der grenzüberschreitenden Käufer den Zugang zu einer größeren Produktvielfalt als in ihrem Heimatmarkt als Hauptgrund für den Einkauf im Ausland. Dies war jedoch nicht die wichtigste treibende Kraft – denn der größte Motivationsfaktor scheint der Preis zu sein. Daraus lässt sich schließen, dass die von den Konsumenten gewünschten Produkte möglicherweise im eigenen Land erhältlich sind, allerdings nicht zu einem für sie angemessenen Preis.

China und die USA sind in puncto grenzüberschreitendes Online-Shopping bei Weitem die wichtigsten Ziele von Verbrauchern, was erklären könnte, weshalb chinesische und US-amerikanische E-Commerce-Plattformen, wie AliExpress und Amazon, so viel genutzt werden. Auch Großbritannien und Deutschland sind beliebte Einkaufsziele.

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Für EU-Länder wie Irland und Belgien, die an verschiedene Handelsabkommen gebunden sind, ist der grenzüberschreitende Handel recht unproblematisch. Im Gegensatz zu Menschen in Ländern, die nicht von offiziellen Handelsabkommen oder sprachlichen Brücken profitieren, fühlen sich EU-Bürger wahrscheinlich sicherer dabei, in anderen EU-Ländern oder einem Land einzukaufen, in dem die gleiche Sprache gesprochen wird.

Und in kleineren Ländern ist die zu überwindende Grenze nie wirklich weit entfernt: Wenn die Menschen es gewohnt sind, eben mal „rüberzufahren“, bereitet das Online-Shopping im Nachbarland sicher auch kein großes Kopfzerbrechen.

Sprache und Weltoffenheit

Nicht zufällig sind besonders aktive grenzüberschreitende E-Commerce-Märkte in der Regel auch relativ weltoffen. Man spricht in diesen Märkten normalerweise ziemlich gut Englisch und die Internetabdeckung ist hoch.

Die Menschen verfügen also über alle Voraussetzungen, um auf großen englischsprachigen Marktplätzen online bestellen zu können, oder werden von großen Online-Shopping-Plattformen wie Amazon, die einfache grenzüberschreitende Einkaufsmöglichkeiten bieten, dabei unterstützt.

Es überrascht aber kaum, dass auch das Gegenteil zutreffen kann, denn die Verbraucher in den großen, wohlhabenden nordamerikanischen Märkten kaufen vorzugsweise im eigenen Land ein.

In ihrem gut entwickelten Konsumgütersektor bietet sich ihnen eine so breit gefächerte Auswahl, dass Einkäufe im Ausland nur selten erforderlich sind. Nordamerikaner sind tendenziell etwas skeptischer, was den Einkauf im Ausland angeht, und im weltweiten Vergleich mit am zurückhaltendsten, wenn die Bestellung in einer anderen Sprache erfolgen muss.

US-amerikanische Verbraucher sind beim Kauf von Waren außerhalb ihres eigenen Marktes zurückhaltend, denn das Land verfügt über einen soliden Konsumgütersektor. In der Tat ist das Online-Shopping auf ausländischen Websites in Kanada üblicher als in den USA.

Die einzigen wirklich markanten Ergebnisse kommen aus Japan, wo die Menschen im Internet nur extrem selten aus dem Ausland einkaufen. Sage und schreibe 94 % der von PayPal Befragten haben im vergangenen Jahr keinen einzigen grenzüberschreitenden Einkauf getätigt. Japan ist in puncto Online-Shopping erstaunlich introvertiert und dies ändert sich auch nur sehr langsam.

Selbstverständlich handelt es sich um einen hoch entwickelten Verbrauchermarkt, auf dem einheimische Anbieter die Bedürfnisse der Menschen womöglich völlig abdecken.

Wahrscheinlich spielt auch die Sprache eine Rolle, denn japanische Kunden müssen meist feststellen, dass ausländische Anbieter ihre Sprache nicht berücksichtigen. Für Käufer aus Irland, Belgien und Österreich hingegen eröffnen sich durch die Tatsache, dass ihre Sprache auch in anderen Märkten gesprochen wird, ganz neue Möglichkeiten für das Online-Shopping.

Desktop-PC statt Mobilgerät

Die PayPal-Studie hat auch ergeben, dass ein großer Anteil des grenzüberschreitenden E-Commerce über Desktop-Computer erfolgt, was doch etwas überrascht, wenn man bedenkt, wie viel Aufmerksamkeit heutzutage dem Thema Mobilgeräte geschenkt wird.

In Kernmärkten, wie Kanada, Frankreich, Deutschland und Japan, werden tatsächlich 70 % aller grenzüberschreitenden Einkäufe per Desktop-PC oder Laptop getätigt. Möglicherweise bedeutet dieses Ergebnis, dass die Menschen während der Arbeit online einkaufen oder auf ihrem Mobilgerät suchen, um dann später am Desktop-Rechner oder Laptop zu bestellen.

In den USA und einigen asiatisch-pazifischen Ländern wird weniger über Desktop-Computer bestellt, in Indien und China erfolgen weniger als die Hälfte der grenzüberschreitenden Online-Einkäufe über Desktop-PCs oder Laptops und in Singapur läuft der auslandsbezogene E-Commerce meist über mobile Apps ab. In den aktuellen Trends zeichnet sich ab, dass Mobilgeräte wohl trotz des derzeitigen großen Vertrauens auf Desktop-Computer in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.

Der mobile Internetdatenverkehr hat jenen über Desktop-PCs zwar weltweit überholt, doch je nach Standort spielen für das Online-Shopping-Verhalten der Menschen sowohl Mobilgeräte, Desktop-Computer als auch Laptops eine Rolle.

Erwartungsgemäß zeigten die mehr als 13.000 befragten Verbraucher in der PayPal-Umfrage große Begeisterung für den kostenlosen Versand. Bedenken hinsichtlich der Versandkosten hatten für potenzielle grenzüberschreitende Online-Shopper die größte abschreckende Wirkung, gefolgt von der Lieferzeit knapp dahinter auf Platz zwei.

Auch das Vertrauen war für viele ein wichtiger Faktor und eine Hürde, variierte in seiner Bedeutung jedoch in den verschiedenen Regionen.

Verbraucher auf dem afrikanischen Kontinent machten sich größere Sorgen darum, ob ihre Waren auch ankommen würden, als Käufer in Europa, was sowohl allgemeine soziale Vertrauensprobleme als auch sehr konkrete Bedenken in Bezug auf die einheimische Post und die Transportinfrastruktur widerspiegelt.

Wenn Sie sich von der Begeisterungswelle für den grenzüberschreitenden E-Commerce mitreißen lassen, müssen Sie auf diese Bedenken der Konsumenten reagieren können. Mit Verbrauchern in großen und in kleinen Märkten bietet sich hier zweifellos eine Riesenchance, doch all diese potenziellen Käufer haben Bedenken, die Sie zerstreuen müssen, um als Händler in Betracht gezogen zu werden.

Ganz gleich, ob es darum geht, die Sprachbarriere zu überwinden, den Versand zu beschleunigen oder einfach nur ihre Rechtschaffenheit unter Beweis zu stellen – um den Anforderungen von Käufern im Ausland zu genügen, müssen Sie sich mehr engagieren.

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