11.07. 2013

Zeichensetzung in verschiedenen Sprachen

Satzzeichen strukturieren und organisieren die Schriftsprache und weisen auf Pausen und Intonation beim Vorlesen hin. Der Ursprung der Zeichensetzung liegt in der klassischen Rhetorik, die Kunst der Rede. Wenn eine Rede im antiken Rom und Griechenland verfasst wurde, wurden Markierungen verwendet, um anzugeben, wo und wie lange der Sprecher eine Pause machen sollte. Die Pausen wurden nach Abschnitten unterteilt und nach diesen benannt: die kürzeste Pause war ein Komma (wortwörtlich: „das, was abgeschnitten ist”), der längste Abschnitt war ein Punkt („der Teil, der einen Anfang und ein Ende hat”) und in der Mitte befand sich der Doppelpunkt („eine Strophe”).

Interpunktion kann einen Satz drastisch in seiner Bedeutung ändern:

„Es schrieb ein Mann an eine Wand:

Zehn Finger hab’ ich an jeder Hand

Fünf und zwanzig an Händen und Füßen.

Wer’s lesen will, wird Zeichen setzen müssen.“

 

Wenn man allerdings zwei entscheidende Kommas setzt, macht der Satz viel mehr Sinn:

„Es schrieb ein Mann an eine Wand:

Zehn Finger hab’ ich, an jeder Hand

Fünf, und zwanzig an Händen und Füßen.

Wer’s lesen will, wird Zeichen setzen müssen.“

Die Zeichensetzung variiert stark zwischen verschiedenen Sprachen. So verwendet die griechische Sprache anstelle des Fragezeichens (?) einen Semikolon (;), während der Doppelpunkt (:) und das Semikolon (;) durch einen Hochpunkt (·) ersetzt werden. Die deutsche Frage „Wie geht es dir?” verwandelt sich in das Griechische „Wie geht es dir;”.

Im geschriebenen Spanischen wird ein Fragesatz zusätzlich durch ein auf dem Kopf stehendes Fragezeichen (¿) und Ausrufe-, Wunsch- und Aufforderungssätze durch ein auf dem Kopf stehendes Ausrufezeichen (¡) eingeleitet. Im Gegensatz zu den Endmarkierungen (? und !), die am Ende des Satzes gesetzt werden, werden die umgekehrten Satzzeichen in der Mitte unterhalb der Zeile angeordnet. Die zusätzlichen Satzzeichen helfen Lesern, Fragen und Ausrufe in langen Sätzen rechtzeitig zu erkennen.

Die beiden deutschen Sätze „Mögen Sie den Sommer?” und „Sie mögen den Sommer.” werden im Spanischen beide als “¿Te gusta el verano?” und “Te gusta el verano.” übersetzt, da es keinen Unterschied in der Wortstellung bei Frage- und Aussagesätzen gibt.

Im Englischen gibt es erhebliche Abweichungen bei der Zahlenschreibung. Im Deutschen (und auch in fast allen anderen europäischen Sprachen) wird der Punkt (.) als Tausender-Trennzeichen verwendet und das Komma (,) als Dezimaltrennzeichen. Im Englischen ist es genau anders herum: so wird aus der deutschen Tausend 1,000 eine 1.000. Auf englischen Preisschildern liest man £1.99, während es in Deutschland 1,99€ kosten würde (Beachten Sie auch, dass das englische Pfundzeichen vor der Zahl steht, während das Eurozeichen immer nach den Zahlen erscheint). Die Engländer benutzen im Übrigen auch andere Anführungszeichen am Anfang eines Zitates (“Wie geht es dir?”).

Darüber hinaus muss man im Französischen ein Leerzeichen vor und nach allen Satzzeichen und Symbolen setzen, eingeschlossen (:) (;), (!), (?), (%) und ($).

Arabisch, Persisch und Urdu, die von rechts nach links geschrieben (und gelesen) werden, verwenden ein umgekehrtes Fragezeichen (؟) und ein umgekehrtes Komma (،). Das ist allerdings eine moderne Erfindung, da es im alten Arabischen überhaupt keine Zeichensetzung gab. Im Gegensatz dazu verwendet Hebräisch, was auch von rechts nach links geschrieben wird, die gleichen Satzzeichen wie im Deutschen.

Die thailändische Sprache hingegen verwendet keine Leerzeichen zwischen den Wörtern in einem Satz. Allerdings hat Thai bestimmte Regel, die es dem Leser erleichtern, den Text zu verstehen. Beispielsweise fangen Silben mit den Vokalen (เ ,แ,โ, ใ, ไ) an und (ะ) endet eine Silbe. Das bedeutet, dass es viel einfacher ist, einen Thai Satz zu lesen, als den Folgenden:

Diedeutschespracheistzwareineschwerespracheabersiehatzumglücksatzzeichen

Kennen Sie noch andere Unterschiede in der Zeichensetzung zwischen den verschiedenen Sprachen? Wenn ja, würden wir gern davon hören!