24.07. 2012

Ausschreitungen wegen einer Sprache

In den ersten Monaten des Jahres 1965 kam es in den südlichen Provinzen Indiens zu Unruhen. Nachdem Indien gerade erst im Jahr 1947 seine Unabhängigkeit von Großbritannien feiern konnte, gefährdeten diese städtischen Revolten Indiens junge Nation.

Die Ausschreitungen begannen am 26. Januar, als die Regierung Hindi als die offizielle Sprache Indiens erklärte. Obwohl ein anderer Gesetzesentwurf bescheinigte, dass Englisch für weitere 10 Jahre als eine alternative Sprache benutzt werden durfte, befürchteten Inder aus den südlichen Regionen, dass dieses Gesetz die linguistische, kulturelle und ökonomische Unterwerfung unter den Norden bedeutete.

Was als friedlicher Studentenprotest begann, entwickelte sich zu einer verärgerten Menge von 10.000 Menschen, die Unruhen in ganz Südindien verursachten. Der indische Premierminister Lal Bahadur Shastri gab immer wieder mündliche Zusicherungen, dass die Regierung nicht versuche, Hindi allen ‘aufzuerlegen’. Doch seine Abneigung, diese mündlichen Zusicherungen in einem Gesetz zu verankern, erhitzte die Gemüter der ohnehin wütenden Protestanten. Die Randalierer attackierten Züge, legten Brand in Postämter und schnitten Telefonleitungen durch. Die zu diesem Zeitpunkt regierende Kongress-Partei sah sich gezwungen, ihre Haltung zu ändern und verabschiedete 1967 ein Gesetz, das Hindi und Englisch als offizielle Sprachen für unbestimmte Zeit anerkannte.