7.06. 2013

Russlands größtes soziales Netzwerk wurde “aus Versehen” gesperrt

VKontakte, das populäre russische Social-Media-Netzwerk mit mehr als 210 Millionen Nutzern, wurde für kurze Zeit auf die “schwarze Liste” von Webseiten gesetzt und konnte somit nicht mehr innerhalb Russlands genutzt werden.

Letzten Freitag wurde dieser Schritt jedoch als “Fehler” abgewiesen. Allerdings deutete die englische Zeitung Guardian daraufhin, dass der russische Präsident Vladimir Putin mit dieser Sperre den Druck auf das soziale Netzwerk intensivieren wolle, um seine Macht auszudrücken.

Angeblich hatte sich VKontakte trotz Befehls der Sicherheitskräfte FSB geweigert, Aktivistengruppen, die Proteste gegen Putin organisieren wollten, zu schließen. Die FSB (The Federal Security Service of the Russian Federation) ist der russische Sicherheitsdienst und die wichtigste Nachfolgebehörde des KGB, dem sowjetischen Komitee für Staatssicherheit. Die wesentlichen Aufgaben des FSB sind die Spionageabwehr, interne und externe Grenzsicherung, Bekämpfung des Terrorismus und generelle Überwachung.

VKontakte-Gründer Pavel Durov ist mit den Behörden schon in der Vergangenheit aneinandergeraten. Sie beschuldigten ihn, dass er ein Forum für Aktivisten der Opposition für Proteste gegen Putin organisiert haben soll.

Allerdings veröffentlichte ein Vertreter des Roskomnadzors, der Staatsregulierungsbehörde, eine Stellungnahme, dass die Deaktivierung des sozialen Netzwerks ein Versehen war. Ein Sprecher der Roskomnadzor, Vladimir Pikov, sagte: “Uns ist ein Fehler unterlaufen. Die Webseite wurde von der Liste gestrichen und alle Zugangsbeschränkungen wurden aufgehoben.”

Globale Nachrichtenagenturen berichteten jedoch von einer Verschwörung. Die Washington Post meldete Anfang des Monats, dass “ein Kampf um die Kontrolle des größten sozialen Netzwerks in Russland ausgebrochen ist. Viele Menschen fragen sich, ob der Kreml dahinterstecken könnte und ob es eventuell ein hartes Durchgreifen in der virtuellen Welt ist – vor allem auf Seiten der politischen Opposition in Russland.”

Pavel Durov besitzt 12% von VKontakte und zu 40% Mail.ru, einer in London ansässigen börsennotierten Internetgruppe, die von dem reichsten Mann in Russland, dem usbekisch-geborenen Großindustriellen Alisher Usmanov, unterstützt wird.

“Gegen Durov liegt ein Strafverfahren wegen einer angeblichen, aber zweifelhaften, Fahrerflucht in St. Petersburg vor. Alisher Usmanov, ein Kreml-freundlichen Oligarch, hat eine geringe Beteiligung an dem Unternehmen. Ein weiteres Unternehmen, was angeblich mit dem Kreml verbunden ist, mischt mit. Und der Gründer, Pavel Durov, hält sich irgendwo versteckt”, berichtete die Washington Post.

“Alle großen Medien sind unter die Kontrolle des Kremls gebracht worden, und VK ist das letzte freie Medium, das es in Russland gibt”, berichtete der Journalist Nickolay Kononov, Autor der Biographie “Der Durov Code”, in einem Interview.

Ob all diese Spekulationen wahr sind oder ob es sich nur um eine Verschwörungstheorie handelt, ist unbekannt. VKontakte ist allerdings wieder in Betrieb. Russland hat die zweitgrößte Internetbevölkerung in Europa und es wird interessant sein zu verfolgen, wie sich diese Geschichte weiterentwickelt.